Die Jury, die in diesem Jahr wieder aus Roman Bucheli, Sabine Dörlemann, Christian Döring, Thomas Hettche und Anna Kulp bestand, hat den Spycher: Literaturpreis Leuk 2011 Marie NDiaye und Michail Schischkin verliehen. Aus der Begründung der Jury:
Marie NDiaye wird mit dem Spycher: Literaturpreis Leuk 2011 für die subtil choreographierte Prosa ihres Romans "Drei Frauen" ausgezeichnet. Ebenso exakt wie liebevoll erzählt sie darin von Migration und dem Erbe des Kolonialismus im Senegal und in Frankreich, von entwurzelten Vätern und Müttern, verstörten Kindern und den Bildern vom Glück. Es gelingt Marie NDiaye, dieser grenz- wie gattungsüberschreitenden Autorin, auf geradezu hypnotische Weise, kühlen Realismus mit Phantastisch-Dämonischem zu verschmelzen.
Michail Schischkin erhält den Spycher: Literaturpreis Leuk 2011 für den Roman „Venushaar“. Mit seinem Protagonisten, einem Übersetzer des Zürcher Migrationsamtes - "Dolmetsch in der Flüchtlingskanzlei des Ministeriums für Paradiesverteidigung" - hat Michail Schischkin eine erschütternde Ikone unserer Gegenwart geschaffen. Unaufhaltsam zieht dieser Erzähler den Leser in einen atemberaubenden Strudel von Schicksalen und Geschichten hinein, mäandernd durch Raum und Zeit und die Literatur- und Kulturgeschichte eines Europas, dessen Versagen gegenüber dem Fremden dieser Roman schmerzhaft offensichtlich werden lässt.