In diesem Jahr hat sich die Jury, die aus Christian Döring, Programmleitung DuMont-Verlag, Alex Hagen, Projektleitung Stiftung Schloss Leuk und den Preisträgern Thomas Hettche und Daniel de Roulet bestand, entschieden, Barbara Honigmann und Adam Zagajewski auszuzeichnen. Aus der Begründung: In seinem weitgespannten lyrischen, essaistsischen und erzählerischen Werk betreibt Adam Zagajewski Erkundungen Europas. Im Gedicht, in Reflexionen über Literatur und Philosophie, Musik und Malerei, in aphoristischer Erkenntnis oder autobiographischem Notat – etwa Ich schwebe über Krakau – legt Adam Zagajewski europäisches Bewußtsein frei. Er ist ein Virtuose des Portraits, des Erinnerungs- und Reisebildes. Vor dem Hintergrund seiner polnischen Erfahrungen während des Kommunismus und mit der Weltläufigkeit des Exilanten ist Adam Zagajewski die Einbildungskraft zum wahren und grenzüberscheitenden „Vaterland“ geworden.
In ihren Bücher – von Roman von einem Kinde und Eine Liebe aus nichts bis hin zu Ein Kapitel aus meinem Leben – verknüpft Barbara Honigmanns Erzählkunst wie keine andere zeitgenössische Autorin die große europäische Form des Briefromans mit der Geschichte ihrer jüdischen Familie. In Prosa von knapper Suggestivität, so lakonisch wie komisch, bezeugen Barbara Honigmanns Bücher, in denen Künstler- und Liebesroman, Bildungs- und Gesellschaftsroman in kunstvoller Komposition verschmelzen, Grenzüberschreitungen, Spurensuche und Verwandlungen: von Ostberlin nach Westdeutschland, von Deutschland nach Frankreich, von der Glaubensassimilation hin ins gelebte Thora-Judentum.