Die Jury des Spycher: Literaturpreises Leuk, der Roman Bucheli, Literaturredaktor der NZZ, die Verlegerin Sabine Dörlemann und der Lektor Christian Döring, der Schriftsteller Thomas Hettche und Anna Kulp, Mitorganisatorin des Internationalen Literaturfestivals Leukerbad angehörten, erkennen den Spycher: Literaturpreis Leuk 2008 Ulrich Peltzer zu für ein literarisches Werk, das in doppelter Weise von stupender Genauigkeit ist. Ulrich Peltzer ist ein akribischer Beobachter politischer und sozialer Wirklichkeit und ihrer Veränderung, dem es darum geht, zu antizipieren, wie wir leben werden. Zugleich sind seine Romane aber immer auch Untersuchungen darüber, auf welche Weise Literatur in der Lage ist, unsere Realität und unsere Träume abzubilden. Indem er vom Erkenntnisanspruch der Literatur nicht läßt, ist er ein eminent politischer Autor.
Den Hintergrund seiner Romane bildet die Großstadt als Bühne unserer Sehnsüchte und unseres Scheiterns. Mit „Die Sünden der Faulheit“ (1987), „Stefan Martinez“ (1995), „Alle oder keiner“ (1999), „Bryant Park“ (2002) und zuletzt „Teil der Lösung“ (2007) ist Ulrich Peltzer dabei zum Chronisten der sich wandelnden Metropolen geworden.
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb findet eine der wunderbarsten Liebesszenen der jüngeren deutschsprachigen Literatur - im Mittelpunkt von „Teil der Lösung“ - in einem Park statt, den das Paar erreicht, nachdem es eine ganze Nacht lang durch das sommerliche Berlin gezogen ist, das bei Peltzer alles zugleich sein kann: Großstadtdschungel und verwunschene Bergwelt, Meeresstrand und Frühlingswiese. Die Jury des Spycher: Literaturpreises Leuk 2008 wünscht Ulrich Peltzer, daß Leuk für die nächsten fünf Jahre einen ebenso produktiv-utopischen Kontrapunkt für seine Arbeit bilden wird, und ist gespannt auf die Beobachtungen des städtischen Flaneurs im Naturraum.