In seinem weitgespannten lyrischen, essayistischen und erzählerischen Werk betreibt Adam Zagajewski Erkundungen Europas. Im Gedicht, in Reflexionen über Literatur und Philosophie, Musik und Malerei, in aphoristischer Erkenntnis oder autobiographischem Notat – etwa „Ich schwebe über Krakau“ – legt Adam Zagajewski europäisches Bewußtsein frei. Er ist ein Virtuose des Portraits, des Erinnerungs- und Reisebildes. Vor dem Hintergrund seiner polnischen Erfahrungen während des Kommunismus und mit der Weltläufigkeit des Exilanten ist Adam Zagajewski die Einbildungskraft zum wahren und grenzüberscheitenden „Vaterland“ geworden.
Aus der Begründung der Jury
Adam Zagajewski wurde am 21.6.1945 in Lemberg geboren. Seine Kindheit und Schulzeit verbrachte er Gleiwitz, Schlesien, wohin die Familie nach dem Kriege übersiedelte. Von 1963-68 studierte er Psychologie und Philosophie in Krakau. Er debütierte 1967 mit Gedichten in der Krakauer Wochenzeitschrift Zycie literackie. Ende der siebziger Jahre schloss er sich dem Kreis der Bürgerrechtsbewegung an, dem Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (Komitet Obrony Robotników) KOR, woraufhin seine Bücher von 1976 bis 1989 mit einem Veröffentlichungsverbot belegt wurden. 1979 kam Zagajewski im Rahmen des Künstleraustauschprogramms des DAAD nach Berlin; es folgten Reisen in die USA und nach Frankreich. 1982 ließ er sich in Paris nieder. Seit 1988 unterrichtet er jedes Sommersemester an der Houston University, USA.
Spycher: Literaturpreis Leuk 2005. Laudatio Dieter Bingen.
Deutschsprachige Veröffentlichungen:
Der dünne Strich. Roman. Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Carl Hanser Verlag, München 1985.
Solidarität und Einsamkeit. Essays. Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Carl Hanser Verlag, München 1986.
Gedichte (Auswahl aus: Brief. Ode an die Freiheit und Nach Lemberg fahren). Herausgegeben und übersetzt von Karl Dedecius. Carl Hanser Verlag, München 1989.
Mystik für Anfänger. Gedichte. Aus dem Polnischen übertragen und herausgegeben von Karl Dedecius. Carl Hanser Verlag, München 1994.
Ich schwebe über Krakau. Erinnerungsbilder. Aus dem Polnischen von Henryk Bereska. Carl Hanser Verlag, München 2000.
Die Wiesen von Burgund. Gedichte. Aus dem Polnischen von Karl Dedecius. Carl Hanser Verlag, München 2003.
Preise (Auswahl):
1975 Kościelski-Preis
1985 Kurt-Tucholsky-Preis, Stockholm
1986 Andrzej-Kijowski-Preis, Warscha
1987 Prix de la Liberté, Paris
1988 Literaturpreis der Alfred-Jurzykowski-Stiftung, New York
2000 Tomas Tranströmerpriset / Nikolaus-Lenau-Preis für europäische Lyrik
2002 Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung / Horst-Bienek-Preis für Lyrik
2003 Würth-Literatur-Preis / Neustadt International Prize