Ich habe in jiddischer Literatur promoviert, ich kann in dieser Sprache sogar ein wenig dichten; auf Französisch schreibe ich Romane, in denen die Figuren häufig zwischen diesen beiden Sprachen stehen, zwischen zwei Identitäten, zwischen Wohlgefühl und Unbehagen, selten aufrichtig, nie unbeweglich, hoffe ich zumindest.
Ich bin Direktor des Hauses für jiddische Kultur in Paris, das die Bibliothek Medem beherbergt, die größte jiddische Bibliothek Europas. Wenn ich auf der Suche nach jiddischen Büchern bin, bei Privatpersonen, in Bibliotheken, die Kinder von ihren gestorbenen Eltern geerbt haben, Kinder, die diese Sprache nicht mehr lesen können, dann gehe ich dort mit einem Bärenhunger hin, so wie der Erlkönig in Michel Tourniers schönem Roman. Ich bin sehr gerührt, wenn ich Stempel in den Büchern entdecke, von Privatbibliotheken oder Vereinigungen aus allen Ecken und Enden der Welt, Warschau, Danzig, Buenos Aires. Paris, Wien, Bialystok. Bukarest, Berlin, London oder Chicago. Und manchmal sogar aus dem Französischen Internierungslager Beaune-la-Rolande.
Ich habe zwei Kinder. Ihnen habe ich mein erstes Buch gewidmet: „Für Simon und Ezra, dass sie sich lieben und es sich sagen.“
Gilles Rozier
Gilles Rozier wurde 1963 in Grenoble geboren. Er arbeitete zunächst in einer Pariser Kaufhauskette. Die Begeisterung für die jiddische Sprache führte ihn zur Promotion in jiddischer Literatur. Er ist Direktor des Hauses für jiddische Kultur in Paris.
Spycher: Literaturpreis Leuk 2006. Laudatio Cécile Wajsbrot.
Veröffentlichungen (französisch / deutsch):
Par-delà les Monts obscurs, éd. Denoël, Paris 1999.
Moïse fiction, éd. Denoël, Paris 2001.
Un amour sans résistance, éd. Denoël, Paris 2003.
Eine Liebe ohne Widerstand. Roman. Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. DuMont Verlag, Köln 2004
La Promesse d'Oslo, ed. Denoël, Paris 2005.
Abrahams Sohn. Roman. Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. DuMont Verlag, Köln 2007.
Projections privées, ed. Denoël, Paris 2008.