Marie NDiaye wird mit dem Spycher: Literaturpreis Leuk 2011 für die subtil choreographierte Prosa ihres Romans „Drei Frauen“ ausgezeichnet. Ebenso exakt wie liebevoll erzählt sie darin von Migration und dem Erbe des Kolonialismus im Senegal und in Frankreich, von entwurzelten Vätern und Müttern, verstörten Kindern und den Bildern vom Glück. Es gelingt Marie NDiaye, dieser grenz- wie gattungsüberschreitenden Autorin, auf geradezu hypnotische Weise, kühlen Realismus mit Phantastisch-Dämonischem zu verschmelzen.
Aus der Begründung der Jury.
Marie NDiaye, 1967 in Pithiviers bei Orléans geboren, veröffentlichte mit 17 ihren ersten Roman; weitere Romane und Theaterstücke folgten. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Jean-Yves Cendrey, und ihren drei Kindern hat sie in Frankreich, in Spanien, in Italien und in den Niederlande gelebt und ist 2007 aus Prostest gegen die Wahl Nicolas Sarkozys mit ihrer Familie nach Berlin gezogen.
Spycher: Literaturpreis Leuk 2011. Laudatio Ruth Schweikert.
Prosaveröffentlichungen
La femme changée en bûche. Editions de Minuit, Paris 1989 / Ein getreuer Gefährte. Übers. Anna Hartwich, Manholt Verlag, Bremen 1989
En famille. Editions de Minuit, Paris 1991. / Die lieben Verwandten. Carl Hanser Hanser, München 1993.
La Sorcière. Editions de Minuit, Paris 1996. / Die Hexe, Verlag Antja Kunstmann, München 2000.
Rosie Carpe. Editions de Minuit, Paris 2001. / Rosie Carpe. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005.
Tous mes amis. Erzählungen, Ed. Minuit, Paris 2004. / Alle meine Freunde. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006,.
Autoportrait en vert. Mercure de France, Paris 2005. / Selbstporträt in Grün. Arche Verlag, Hamburg 2011.
Mon cœur à l’étroit. Gallimard, Paris 2007. / Mein Herz in der Enge, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008.
Trois femmes puissantes. Gallimard, Paris 2009. / Drei starke Frauen, Suhrkamp Verlag, Berlin 2010.
Preise
1989 Stipendium der Medici
2001 Prix Femina für „Rosie Carpe“
2009 Prix Goncourt für „Trois femmes puissantes“ / „Drei starke Frauen“
2010 Internationaler Literaturpreis - Haus der Kulturen der Welt zusammen mit Claudia Kalscheuer, ihrer Übersetzerin